Mit „Ab in den Container“ von Jutta Golitsch spielte das Vollmondtheater eine Komödie mit durchaus ernstem Hintergrund.
„Containern, auch Mülltauchen oder Dumpster Diving genannt, bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern. Das Containern erfolgt in der Regel bei Abfallbehältern von Supermärkten, aber auch bei Fabriken. Die Lebensmittel werden meist wegen abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdaten, Druck- und Gammelstellen oder als Überschuss weggeworfen.
(…)Unter den Personen, die Containern betreiben, sind einerseits bedürftige Menschen und andererseits Menschen, die sich auf diese Weise gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen bzw. die Lebensmittelwirtschaft nicht unterstützen wollen.“ (aus Wikipedia)
Ort des Geschehens ist der Hinterhof eines Supermarktes eine Stunde vor Geschäftsschluss. Wie jeden Abend werden Obst, Gemüse und Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum in einen Container entsorgt. Die Angestellten des Supermarkts wissen nicht, dass der gut gefüllte Container längst ein Treffpunkt Bedürftiger ist, die ein wenig Abwechslung in ihren Speiseplan bringen wollen. Otto von Treyspitz, verarmter Adel, und Charly, ein Obdachloser, sind schon alte Hasen im „Containern“. Auch für Colette, eine Ordensschwester und ihre beiden Schützlinge Chantal und Felicitas wird der Container zur Fundgrube. Filialleiter Andreas Mehlbichler hat ebenfalls so seine eigenen Pläne, was mit den vielen Lebensmitteln geschehen soll.
Und so kommt es an diesem Abend zu einem unvorhergesehenen Stelldichein von Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft mit durchaus gegensätzlichen Interessen. Alle sind darauf bedacht, nicht erwischt zu werden, was natürlich nur bedingt gelingt. Das bringt die Polizei auf den Plan, doch die Polizistin Bergmann himmelt lieber den Marktleiter an, anstatt sich um ihre Polizeiarbeit zu kümmern. Normalerweise hat der Hausmeister alles im Griff, aber auch ihn hat Amor mit dem Pfeil erwischt und so gilt sein Interesse mehr der Kassiererin Ingrid als den Geschehnissen auf dem Hinterhof.
Jutta Golitsch gelingt mit ihrem Stück der Spagat zwischen Komik und Sozialkritik. Bei all den witzigen und amourösen Turbulenzen geht es doch um ein eigentlich skandalöses Stück Wirklichkeit: Jedes Jahr werden in Deutschland knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall entsorgt. Jutta Golitsch gelingt es, auf unterhaltsame Weise eine Schattenseite unserer Konsumgesellschaft sichtbar zu machen.
„Ab in den Container“ – Komödie von Jutta Golitsch
Besetzung:
Hans-Martin Fischer (Andreas Mehlbichler, Filialleiter), Lothar Schubert (Franz Weinert, Rentner, Minijobber), Katrin Brucker-Janssen (Antonia Ripplinger, Landwirtin + Annegret Hopp, Nachbarin),
Katja Fröbel (Ingrid Dietrich, Kassiererin), Doris Fuchs (Marlene Bergmann, Polizistin), Swantje Willems (Colette, christliche Sozialarbeiterin), Sigrid Vaas (Wilhelmine von Treyspitz, verarmte Adlige), Ursel Schmitt (Charlie Merk, Obdachlose), Sabine Bauer-Berisha (Hermine Hämmerle, Rentnerin), Anne Baars (Jessica, Straßenkind), Leonie Ehrhardt (Felicitas, Straßenkind)
• Licht und Ton: Pishtar Dakaj, Klaus Schoßmaier
• Plakat: Leonie Ehrhardt, Sigrid Vaas
• Programmheft: Lothar Schubert
• Bühnenbild + Ausstattung: Ensemble
• Inszenierung + Regie: Till Schneidenbach
• Premiere: 15. März 2018 im Theater im Spitalhof
• Weitere Aufführungen: 16. + 17. März 2018